Montag, 18. August 2008

Ein Amischlitten an der Seine

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Ich war voellig ueberrascht von diesem Anblick: da stand tatsaechlich unten am Quai des Celestins – gegenueber der Ile Saint Louis – dieser Amischlitten neben einem silbergrauen funkelnagelneuen Smart. Wie die beiden Autos da runtergekommen sind, war mir nicht klar. Es gibt ja nur Stufen fuer die Fussgaenger, und die spazierten in Gruppen flussaufwaerts, weil weiter oben die riesigen Touristenboote anlegen, die bis zu 1000 Personen fassen.

Der Ami wurde tatsaechlich von mir etwas zusammengequetscht, damit ein Quadrat herauskommt. Flotter schaut er deshalb auch nicht aus. Er sah auf dem zweiten Blick in Wirklichkeit ziemlich derangiert aus, weniger von aussen als das Innere. Der Lack war schon matt und die Stossstangen an vielen Stellen eingedellt. Wahrscheinlich ein Cadillac Seville aus dem 70er Jahren. Innen hingen Teile der Dachbespannung herunter, die hellen Sitze waren fleckig, einige Flaschen lagen auf dem Boden, zerknuellte Kleidungsstuecke, darunter auch Unterwaesche, eine roetlicher Stein, ein duerrer Zweig.

Auf dem Ruecksitz bemerkte ich zwei offene Buecher. Ich fotografierte einige Ausschnitte, weil ich dachte, das wuerde mir einen Hinweis auf damit zusammenhaengende Ereignisse bzw. die beteiligen Personen geben. Die erste Stelle lautet:

„...Wir sassen auf dem Ruecksitz des gruenen Citroen und fuhren die Rue Armand Cassel entlang. Sie hatten uns am Gare de l’ Est abgeholt: Meine Schwester und ihr Freund Antoine warteten auf Bahnsteig sieben; Antoine gaben wir die Hand, Camille fielen wir in die Arme. Die Reise hatte ein Ende genommen. Keiner von uns beiden glaubte daran. Chloe dachte, es sei nur etwas ganz Neues, es sei ein Zwischenstopp; wir würden andere Leute kennenlernen und sie ein neues Land, eine Stadt - wieder eine Stadt.
Beim Parc de Butte Chaumont bog der Wagen rechts in die Rue Crimèe ein und dann in die Rue de Mouzula. Es war das Haus Nummer dreizehn, wo wir hielten. Antoine fand eine Luecke und parkte davor. Bevor wir durchs Haustor traten und hochstiegen in den dritten Stock, hievte ich unseren Seesack auf die Schultern...“

Im zweiten Buch ergaben die lesbaren Bereiche folgendes Fragment:

„...Erst als der Junge im Auto vor ihr sich ein zweites Mal umdrehte, erwiderte sie sein Winken. Sie hob sogar die Haende an die Schlaefen und wackelte mit den Fingern, als haette sie Hasenohren, was ihn zum Lachen brachte.
Er hatte sich jetzt hingekniet. Sie sah seine runden Aermchen auf der Lehne des Ruecksitzes und wie er sein gluehendes Gesicht an die Heckscheibe presste. Er streckte die Zunge durch seine große Zahnluecke und zog Grimassen.
Wie er schwitzen muss, dachte sie, liess die Haende in den Schoss sinken und warf einen kurzen Blick in den Rueckspiegel.
Hinter ihr stand ein Laster, der die Sicht auf das Ende des Staus versperrte. Auf der mittleren und linken Spur reihte sich Wagen an Wagen. Die meisten Fenster waren herunter gekurbelt, einige hatten die Tueren weit aufgerissen oder waren sogar ausgestiegen und liefen mit mit grimmigen Mienen auf dem Seitenstreifen hin und her wie Tiere in einem Kaefig. Seit einer halben Stunde ging es am Boulevard Peripherique nur zentimeterweise voran. Denn zu dem Ferienverkehr kamen die Berufspendler hinzu. Die ersten Unfaelle hatten sich bereits ereignet, und es war voellig unklar, wann und wo sich der Stau aufloesen wird...“

Hatten Sie sich jemals vorgestellt, mit einem solchen Auto zu fahren - Cadillac Seville? Wenn ja – mit wem und wohin? Oder haette es Ihnen genuegt, sich auf die naechste Bank zu setzen, um darueber nachzudenken, wie es mit Antoine, Camille, Chloe etc. in diesem namenlosen Buch weiter gegangen sein koennte; und wozu der Blickkontakt zwischen dem Jungen und der Frau im Stau fuehren wird?

Donnerstag, 14. August 2008

Die schoenen Kuesserinnen

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Die beiden schoenen Kuesserinnen auf der Place Georges Pompidou hatte ich eine Weile gar nicht entdeckt. Sie sassen weit unten, zwei junge wendige Frauen, einander zugewandt, die Beine abgewinkelt, und sie redeten und lachten ununterbrochen.

Von weiter oben bemerkte ich ein chinesisch aussehendes Paar, das von ihrer Tochter fotografiert wurde. Das tu ich gern – Fotografierende fotografieren, weil diese ja eine Pose einnehmen, zum Zweck der Aufbewahrung dieses Augenblicks. Ich bin jetzt eine voellig Fremde, die davon profitiert, nicht aber an der Intimitaet des spaeteren Erinnerns an diesen Moment teilnehmen kann. Ich stehle nicht, ich kopiere. Ich frage nicht, ich nehme.

Von deren Blick gelenkt, traf meiner wieder auf das Frauenpaar. Jetzt umarmten sie einander, klemmten die Beine so umeinander, dass sie sich fest aneinander druecken konnten. Die rechte – die mit dem Wangenpiercing – war die Aktivere. Sie streichelte, presste und kuesste die linke, schaukelte sie so, dass sie sich am Boden abstuetzen musste usw. Das Auffaelligste war jedoch, dass sie das einzige Frauenpaar waren, das sich so benahm. Dass sie auch spaeter, als ich wieder vorbeikam, noch immer dort sassen und sehr variantenreich ein Liebespaar abgaben.

Waere Edith bei mir gewesen, haette sie mich sicher gefragt, warum das so meine Aufmerksamkeit fesselte.
Ich: Die sitzen da und tun so als waeren sie allein!
Edith: Du sagst das nur, weil sie beneidest.
Ich: Ja, auf eine gewisse Weise.
Edith: Weil du dich das nicht trauen wuerdest.
Ich: Nicht nur das. Ich finde das Ganze ein bisschen laecherlich.
Edith: Weil sie sich so effektiv keinen Deut um die Zuseher scheren?
Ich: Weil sie etwas demonstrieren: Wir sind so frei, und ihr seid es nicht!
Edith: Und du waerst nicht so frei?
Ich: Richtig! Einerseits Neid. Und dann gleich stockbuergerliche Strafandrohung.
Edith: Und wofuer? Dass sie dir beweisen, was du noch immer nicht bewaeltigt hast?
Ich: Du willst mich wohl provozieren, was?
Edith: Natuerlich. Und du faellst auch darauf rein. Wenn du mutig waerst, wuerdest du mich jetzt kuessen!
Ich: Ich frage mich, ob du dazu in Stimmung waerst, wuerden die uns das nicht vormachen?
Edith: ....

In Wirklichkeit kam etwas hinzu: die jungen Maenner in der Umgebung schauten gespannt auf die beiden und sparten nicht mit anfeuernden Bemerkungen, als ginge es um einen Wettkampf oder ein Spiel zu ihrer Belustigung.

Montag, 11. August 2008

Maler und Modell

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Normalerweise gehe ich schon am ersten Tag in Paris ins Pompidou. Diesmal hab ich’s nicht gemacht. Ich bin aber mehr als zwei Stunden am Platz davor herumgeschweift und habe mich dann ich ein Café gesetzt, von dem aus ich die Vorbeigehenden gut beobachten und auch fotografieren konnte.

Das Foto, das ich jetzt ausgewaehlt habe, ist eines der vielen zum Thema Maler und Modell. Rund um den Platz sitzen ja mehr als zehn Schnellzeichner und warten auf ein Modell. Erstaunlicherweise hatten alle an diesem Nachmittag zu tun, selbst jene, denen ich jede Faehigkeit zu einer naturalistischen Abzeichnerei absprechen wuerde. Einige sind zumindest imstande, etwas Karikaturenhaftes mit Pfiff aufs Blatt zu bringen. Wenn jemand so etwas freut – soll sie oder er es doch als Pariser Trophaee mit nach Hause nehmen!

Mich interessieren nur diejenigen, die nahe an den Fotorealismus herankommen, ohne dass das zu angestrengt ausschaut. Es schadet auch nicht, wenn die Aehnlichkeit nur eine entfernte ist, also der oder dem Abgebildeten schmeichelt, zum Beispiel indem die Konturen verjuengt, die Falten geglaettet und die Hautunreinheiten uebersehen wurden.

Ich war sofort verknallt in dieses Bild, nicht aber unbedingt in das Modell. Das hatte keineswegs diese feinen Zuege. Auch nicht diesen beherrschten Mund und diesen herausfordernden, zugleich distanzierenden Blick.

Ich strich also um das Bild herum, nicht um das Modell, und wartete mit Neugier auf dessen Fertigstellung. Ich sah darin nicht nur ein technisch gelungenes Portraet, in das sich jemand wie ich leicht verknallen kann, sondern das Idealbild des Malers von einer Frau.

Waehrend ich bereits im Café sass, konnte ich es nicht lassen, aufzustehen und aus der Entfernung meinen Fotoapparat auf diese Szene zu richten. Allerdings wurde ich von mehreren Ereignissen abgelenkt. Eines davon war, dass das Paar links neben mir den Kaffee verschuettete. Ich hatte die beiden schon vorher im Augenwinkel beobachtet und auch mehr oder minder heimlich fotografiert.

Der Mann ist inzwischen aus meinem Gedaechtnis entschwunden. Die Frau, anscheinend die Verursacherin, war eine Schwarze mit einem kleinen braunen Maennerhut auf dem Kopf. Ich sah immer nur ihr Profil. Doch schliesslich stand sie auf und ging aufs Klo, um sich zu reinigen. Als sie zurueckkam, bemerkte ich, dass sie klein und zierlich war, in einem hauchduennen lindgruenen Mini steckte und braune Rauhlederstiefel trug. Sie laechelte und sagte etwas auf Franzoesisch zu mir, aber mit einem solchen Akzent, dass ich nichts verstand. Trotzdem nickte ich und machte zwei weitere Fotos von ihr, einmal en face, einmal, als sie sich wieder hingesetzt hatte - beinahe ein Rueckenakt!

Freitag, 8. August 2008

Ich und Audrii

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Ich wundere mich immer wieder ein wenig darueber, wenn Blogistinnen und Blogisten von sich selbst als „sie“ oder „er“ schreiben. Aber ich versuchs hier einmal mit mir selbst.

Audrii, sag ich, du sollst nicht „ich“, auch nicht „du“, sondern „sie“ schreiben. Audrii schreibt „sie“, schreibt sie. Audrii versucht dieses neue Gefühl zu testen. Es ist ein eigenartiges: als wuerde es eine zweite Person geben, eben „sie“ und sie. Also "sie", die sich als „ich“ erkennt; und sie, die so etwas wie eine zweite Haut ist, jedenfalls ein Wesen, das ausserhalb ihr intimen Ich-Sphaere lebt. Oder dorthin projiziert wird.

Geht es Audrii besser, wenn sie sich in dieser zweiten(!) Person sieht? Muss sich Audrii vor sich verneigen, wenn sie von sich in der dritten(!) schreibt? Ist diese Audrii so etwas wie ein Spiegelbild, also etwas, das identisch zu sein scheint, aber in Wirklichkeit seitenverkehrt ist?

Audrii sitzt im Moment in einem ziemlich grossen Zimmer, das grösstenteils mit alten Moebeln eingerichtet ist, bei offenem Fenster und hoert das Zirpen der Grillen. Sie tippt auf dem Notebook auf ihrem Schoss, waehrend sie in dem uralten Schaukelstuhl sanft auf- und abwippt.

Audrii traegt ein T-Shirt, ein ziemlich ausgewaschenes. Sie hat es vor Jahren in Berlin gekauft, in einem Secondhand-Laden an der Potsdamer Strasse. Darauf sehen Sie vorn und hinten das locke skizzierte Bild einer Frau, die mit einem Strohhalm eine Fluessigkeit aus einem Glas saugt. Ihre Augen befinden sich in der Hoehe der Brust; der Mund ist ungefaehr dort, wo der Magen beginnt. Das Glas koennte so gross wie dieser sein.

Was das „sie“, also Audrii, betrifft, so hat Audrii noch eine zweite Theorie: es ersetzt das Auge Gottes. So wie dieses die Suenderinnen und Suender nicht in Ruhe laesst, sondern unentwegt verfolgt (dieser starre gefuehllose Blick, wie von einem gefuehllosen Gemaelde, dem Sie nicht entkommen koennen), so ist „Audrii“ dem „ich“ eine staendige Kontrollinstanz, die alles besser weiss, zugleich aber auch wie ein Schutzmantel funktioniert. „Audrii“ ist demnach die Schutzmantelmadonna, die dieses „ich“ umhuellt und beschuetzt.

Werde ich bei Audrii bleiben? Nein, ich denke, ich bin frei, offen, ironisch, selbst-bewusst, frech, anschaulich, zwischengeschlechtlich, gleichgeschlechtlich, eingeschlechtlich, frauenparteiisch, phantasiestrotzend, mutig etc. genug, um den Gefahren dieses intimen „ich“ (das ja tatsaechlich ich bin) auch weiterhin standzuhalten und nicht in ein wohliges schlaefriges vertraeumtes „Audrii schreibt..., Audrii denkt..., Audrii spricht...“ etc. verfallen zu muessen.

Dienstag, 5. August 2008

Auch am Wasser sind wir in Alfreds Security Land!

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Als ich am Tag danach wieder zu meinem Badeplatz kam, fand ich dort ein Kuvert, an einem Gebuesch deutlich sichtbar fixiert. Darauf stand: „An die Unbekannte Schoene, die wie ein engel entschwunden ist!!“

Darin steckte eine Hochglanz-Broschuere, 8 farbige Seiten „Security. Das Sicherheits-Magazin“. Im „Editorial“ heisst es: „Die Sicherheit in den eigenen vier Waenden ist in den letzten Jahren ein grossen Thema geworden. Das ist vor allem auf die massive Steigerung der Einbruchsdiebstaehle zurueckzufuehren. Fast jeder kennt jemanden, bei dem in letzter Zeit eingebrochen wurde...“ Daneben zwei lachende Herren in weissen Hemden mit sehr langen Krawatten. Darueber;„Kommen auch Sie ins Security Land“.

Am Umschlag war ein Visitenkarte mit einem Foto mittels Bueroklammer befestigt. Als ich die meiner Mutter zeigte, sagte sie: Aha, der Herr ist kein Unbekannter. Sie meinte, sie habe ihn sogar schon einmal bei sich im Haus gehabt, denn über einen Prospekt sei sie auf seine Firma gestossen. Sie wollte zumindest wissen, was eine Sicherheitsanlage für den Hof kosten wuerde.

Als ich dann spaeter noch einmal in das gelbe, A4 grosse Kuvert griff, fand ich darin folgenden Brief:

„ Sehr verehrte sehr geschaetze junge Dame! Ich habe mich daneben benommen, ich weis. Ich haette mich nicht neben Sie setzen duerfen. ich habe sie gestoert. Ich fand Sie aber aus der Ferne sehr attraktiv. Und aus der Nähe noch viel viel mehr. Ich mußte es tun Ist doch nicht wirklich verboten, oder?

ich mache das oft das ich ans Wasser gehe. Ich gehe dort oft auf & ab, irgendwo, wo ich mich gerade befinde, da suche ich ein Wasser oder auch Waesserchen auf... das beruhigt ungeheuer.

Sie haben mich so desinteressiert angeschaut, das hat mich verunsichert. Aber jemand wie Ich gibt nicht so schnell auf. Was soll ich noch mehr dazu sagen? außer dass ich die nächsten drei Tage immer um dieselbe Zeit dorthin kommen werde. Wo sonst gibts so aufregende Frau?

Ich werde dem Zufall vertrauen! Und ich verspreche, dass ich alles tun werde, was sie sich wuenschen. Ganz ganz sicher. Alles!! Viel Glueck!!"

Damit ich’s nicht vergesse: Alfred Alarmanlage & Co hat in der Broschuere folgende Saetze eingerahmt und mit drei Rufzeichen versehen: „Funkelnde Diamanten und blitzende Goldmuenzen – Schaetze dieser Art ziehen uns seit Menschengedanken in ihren Ball. Ebenso lang sind wir bemueht diese zu behueten und zu schuetzen. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum uns Tresore seit unserer juengsten Kindheit so besonders faszinieren.“

Ich habe mich trotzdem nicht vom Schwimmengehen abhalten lassen. Wie wuerden Sie sich denn aus dieser Affaire „unserer juengsten Kindheit“ ziehen?

Freitag, 1. August 2008

Der Mann mit dem Kreuz und der Goldkette

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Jetzt ist das Wetter hier ganz nach meinem Geschmack, Hochsommer, blauer Himmel, 30 Grad, trockene Hitze; und in der Nacht am Suedhimmel ein strahlender Saturn.

Nichts haelt mich davon ab, einen Badeplatz aufzusuchen, wo ich schon als Jugendliche gern gebadet habe: an einem Seitenarm der Donau, der keine direkte Verbindung mehr zum Fluss hat und rundherum bewaldet ist, also ueberall Schatten bietet und an vielen Uferstellen grasige Liegeflaechen. Man kann von beiden Seiten mit dem Auto zufahren. Das Ende bildet eine schmale Bruecke. Dahinter beginnt das Schilf.

Wo ich mich niederlasse, haengt davon ab, wie viele Autos wo stehen. Gestern konnte ich etwas entfernt von der Bruecke parken. Ich breite meine Decke in der Naehe eines aelteren Paars aus, das sich - nackt und tiefbraun - die meiste Zeit im Wasser tummelt.

Ich habe nur ein Wickelkleid an. Also kann ich mich schnell ausziehen und hineingehen. Es ist angenehm kuehl, ich schwimme etwa 20 Minuten. Danach lege ich mich, in ein Badetuch gewickelt, hin und beginne, meine Notizen zu ergaenzen.

Als ich einmal aufschaue, sehe ich einem Mann naeherkommen – blaues T-Shirt, braune Hose, Mitte 40. Er bleibt neben mir stehen und fragt, ob er sich hinsetzen duerfe. Ich sage, mit der entsprechenden Handbewegung, hier gebe es eine Menge Platz und meine die vorhandenen 30 Meter bis zum naechsten Gebuesch direkt am Ufer rechts neben mir. Er fragt mich, ob er mit mir ein bisschen reden duerfe. Ich will schon sagen: Ich bin mit meinen Gedanken sehr beschaeftigt, aber da hat er schon sein Handtuch ausgebreitet.

Da sitzt er nun und schaut zum Wasser hin und beginnt die das spiegelglatte Wasser, die Stille, die Idylle und das Wetter zu loben. Ich empfinde das als Ueberrumpelung, als Uebergriff. Das scheint er nicht zu bemerken.

Naechste Frage: Ob denn hier FKK sei. Meine Antwort: Er sehe doch, dass es gemischt ist, aber nacktbaden niemanden stoere. Kaum habe ich das ausgesprochen, hat er sich schon ausgezogen. Dem folgen dann Allgemeinplaetze wie: Wie ich heisse, wo ich wohne, wie oft ich hierher komme etc.

Plötzlich streckt er mir die Hand hin und sagt: Alfred! Und gleich erfahre ich, dass er Alarmanlagen verkauft, Importware aus China. Dass er sehr viel unterwegs sei, weil es eine grosse Nachfrage gebe. Wozu er aber anmerkt, dass es ein Leichtes sei, sich ein geeignetes Werkzeug zu besorgen, um trotzdem in aller Ruhe einbrechen zu koennen.

Darueber will ich nicht weiter reden, es passt zu nichts von dem, worueber ich nachdenken wollte. Daher frage ihn, ob er denn keine Lust habe, ins Wasser zu gehen. Nein, antwortet er, ich mag eigentlich das Wasser nur von draussen. Er koenne ausserdem nicht gut schwimmen.

Damit ist die Sache fuer mich beendet, ich fuehle mich belaestigt und sehe keinen Sinn in einer Fortsetzung dieses belanglosen Gespraechs. Ich drehe ihm den Ruecken zu und wickle mich in mein Kleid. - Ach, Sie wollen schon gehen? - Ja, ich komme sowieso schon zu spaet! Das Handy laeutet wie zur Bestaetigung, und meine Mutter sagt mir, was sie einzukaufen vergessen hat.

Kaum bin ich ein paar Schritte in Richtung Auto gegangen, springt dieser Alfred Alarmanlagen & Co auf und zieht sich schnell an. Er folgt mir nicht, also muss ich meine Schritte nicht beschleunigen.

PS: Ich sollte noch hinzufuegen, dass dieser unaufdringlich-aufdringliche Mann eine Goldkette aus grossen Gliedern mit einem Kreuz dran trug. Ich will auf keinen Fall an die Klosterschule erinnert werden. Daher sind Maenner mit Goldketten dieser Art bei mir sofort unten durch. Aber ich war so ruecksichtsvoll, ihm das nicht gleich an den Kopf zu werfen.

Freitag, 25. Juli 2008

Mutters Hand

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Das ist die Hand meiner Mutter, die immer in Bewegung sein muss. Ich bin schon eine Weile bei ihr am Hof, und ich werde noch einige Zeit da bleiben, wie sie es sich wuenscht. Was natuerlich Vorteile fuer mich hat - ich werde versorgt. Aber auch Nachteile. Etwa, dass sie zu der Zeit, wo sie Gaeste hat wie jetzt im Sommer, immer auf den Beinen ist. Sie goennt sich wenig Ruhe. Und ich kann mich nicht einfach in den Garten setzen, denn da sind Gaeste. Nette, oft solche, die immer wieder kommen. Und manche haben auch Kinder und Hunde mit – beides nicht unbedingt stoerend. Manchmal ergibt sich sogar eine angenehme Situation.

Ich fuehle mich aber keineswegs wie zuhause, sondern eigentlich in einem unnatuerlichen Zwischenzustand. Ich koennte zum Beispiel nicht im Garten sitzen oder liegen und lesen. Denn ich muesste ja der Mutter bei Arbeit zuschauen, und das waere mir peinlich. Sie will sich nicht helfen lassen, sondern alles allein machen.

Einmal ist sie schon eine Treppe heruntergefallen, hat sich zum Auto geschleppt und ist mit verstauchtem Fuss und blutigem Knie zum Landeskrankenhaus gefahren. Aus der Naehe kriege ich das alles sehr deutlich mit: sie achtet viel zu wenig auf ihre Gesundheit. Sie will nicht wahrhaben, dass sie sich uebernimmt.

Gut also, dass es einen hinteren Trakt gibt, wohin ich mich zurückziehen kann, ohne von ihr oder den Gaesten etwas zu sehen. Aber ich habe dann doch auch ein schlechtes Gewissen. Ich komme ein wenig wie eine Schmarotzerin vor. Sie sagt, ich sollte die kurze Zeit geniessen, wo ich nicht unter dem ueblichen Druck stehe.

Was sie aber nicht weiss: ich schreibe hier auch, sozusagen heimlich, aber nur mit der Hand. Ich nehme einfach A4-Blaetter und falte sie der Laenge nach. So entstehen zwei Spalten, so breit wie die in einer Zeitung. Das Schoene ist, dass ich mich jetzt wieder an meine Handschrift gewoehnt habe.

Auch daran, dass ein fliessendes Wasser, naemlich die Donau, auch wenn sie hier nicht sehr breit ist, sich doch recht gut zum Schwimmen eignet. Allerdings nicht bei diesen Temperaturen. Nicht bei 15, 16 Grad. Nicht dann, wenn zwar mitunter die Sonne hervorblinzelt, es den restlichen Tag aber regnet. Nicht dann, wenn gewittrige Regenguesse niedergehen. Wenn der Wind lebhaft oder gar stark weht, von Westen oder Nordwesten her. Und schon gar nicht, wenn mich so froestelt wie jetzt und ich mich in eine dicke, von Mutter gestrickte Weste einwickle, die Beine in eine Decke. Nicht dann, wenn ich mir noch ein Paar Wintersocken ueberziehe und mir denke, es waere doch schoen, mich gleich ins warme Bett zu legen und die Augen zu schliessen und... Ja, woran wuerden Sie denn jetzt denken?

Dienstag, 8. Juli 2008

„...komm, und lass uns baden in offener See!"

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In der Nacht zu baden, ist ein grosses Vergnuegen fuer mich – nicht allein, sondern in Gesellschaft. Ich schwimme auch gern weit hinaus. Es muss keine Vollmondnacht sein, obwohl ich eine solche vorziehe. Da gewinnen sogar solche Maennerkoerper an Reiz und Geheimnis, die - bei Tageslicht betrachtet - vielleicht schlaff und fleckig erscheinen. Oder – noch schlimmer – ueber die Massen behaart sind, noch dazu dunkelbraun oder schwarz, und im schlimmsten Fall sogar auf dem Ruecken bis hinauf zu den Schultern. Waehrend manche Frauen das als angenehm wuschelig oder gar erotisch empfinden, geht bei mir da die Wand runter.

Hier muss ich gleich einfuegen, dass ich den unpigmentierten Flaum, der die Haut von Frauen und Maennern fast ueberall bedeckt, sehr mag. Ich mag es, im Gegenlicht diesen Flaum zum Beispiel an den Wangen einer Frau zu sehen. Es ist schoen, darueber ganz sanft zu streichen: ein ganz anderes - feineres – Gefuehl, als wenn mir ein Dreitagesbaertiger sein doppelte "Kuessli uf d Bagge" aufzwingt.

"Du moechtest im Sumpfe nicht schwimmen. Komm nun, komm, und lass uns baden in offener See!" (Hoelderlin)

Es gibt einen Zeitpunkt, wo ich mich ausziehe. Das heisst: ich schaffe es nicht, sofort nackt ins Wasser einzutauchen. Ich muss zuerst geschwommen sein, meine Muskeln gespuert haben, bis mir das beiden Stoffstuecke laestig werden oder laecherlich erscheinen. Selbst wenn ich nur mit Edith ins Wasser gehe, verfolgt mich diese Scheu, so als wuerden auf der Promenade hinterm Gebuesch nur Maenner mit Fernglaesern lauern.

Natuerlich macht sich Edith darueber lustig. Wer schaut dir denn unter Wasser was ab? Ich glaub, sie versteht mich nicht. Ich bin noch immer im Zwiespalt. Denn von meinem Koerper leite ich nur ungern mein Selbstwertgefuehl ab. Aber es gibt eine Menge daran, das nicht meinem Ideal entspricht. Zum Beispiel wuerde ich gern schmaelere Oberschenkel haben. Edith sagt: Du hast doch eh Streichholzbeine. Ich sage: Schau wie dick die Oberschenkel in dieser Hose erscheinen. (Gemeint ist: in meiner Stretch Desoto.)

Wir schwimmen zu zweit langsam nebeneinander, lassen uns treiben. Wir schwimmen nicht in Traenen. Wir reden ueber den See, dessen Tiefe, dass wir keinen Grund sehen, dass wir bei dieser Wassertemperatur lang nebeneinander treiben koennten, mit wenigen Tempi. Wir schwimmen nicht in Geld, aber immer wieder ein Stueck am Rücken. Wir schwimmen weiter obenauf, und wenn auch nicht immer in einem Meer von Seligkeit, dann doch in diesem prickelnden Wohlbehagen.

Samstag, 5. Juli 2008

Ich bin keine Suchmaschine

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In vielen Faellen bin ich wie eine Suchmaschine, die nichts findet. Ich suche - zum Beispiel - ein Buch, eine bestimmte Stelle darin, geh zu einem der Regale und versuche den Zeitpunkt zu imaginieren, an dem ich dieses Buch das letzte Mal in der Hand hatte. Manchmal weiss ich weder Titel noch Autorin bzw. Autor, aber den Ort, sodass ich blind hingreifen koennte; das passiert in den wenigsten Faellen. Meist stehe ich eine Weile ratlos vor dem Regal und warte vergeblich auf einen Erinnerungsblitz. Geht es Ihnen auch manchmal so?

Dazu fand ich – rein zufaellig – folgendes Zitat von Michel Foucault, aus: Die Ordnung der Dinge (und ich war einen Moment lang zufrieden, weil es sich so schoen an die beiden vorherigen Eintraege anschmiegt):

„…dass die Tiere sich wie folgt gruppieren: a) Tiere, die dem Kaiser gehoeren, b) einbalsamierte Tiere, c) gezaehmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppe gehörige, i) die sich wie tolle Hunde gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen.“

Die Lehre: Ich haette meine Buecher von Anfang an nach passenden Kriterien ordnen und mich immer daran halten sollen. Ich gestehe: es gibt einen kleinen geordneten und einen grossen mehr oder minder ungeordneten Bereich.

Einfacher ist es natuerlich, etwas auf einer Festplatte zu suchen. Allerdings aergere ich mich noch immer ueber die Suchfunktion bei Vista. Vielleicht mache ich nur etwas falsch. Es kommt mir vor, als wuerde die Suche bei W2000 besser einzuschraenken sein. Am Notebook haette ich noch Copernic Desktop Search. Das schalte ich meist aus, weil mich das Geraeusch auf der Festplatte, das die Indizierung erzeugt, nervoes macht.

Worauf ich hinaus will, ist eine Selbstbezichtigung: es gibt Inseln der Ordnung auf meinen Festplatten, aber keine wirklich durchgehaltene logische Struktur. Das haengt auch damit zusammen, dass ich die Dateien verschiedener Festplatten - die aus verschiedenen Arbeitsperioden stammen - auf einer einzigen vereinigt habe und mich bis jetzt noch nicht aufraffen konnte, die Struktur zu vereinheitlichen. Einfaches Beispiel: identische Fotos und Bilder befinden sich unter verschiedenen Titeln in verschiedenen Ordnern auf verschiedenen Strukturebenen.

Im Prinzip geht es immer um ein Verhaeltnis von Chaos und Ordnung, also um meine Sehnsucht nach mehr Ordnung; und um die Schwaeche - dieses elende Schwaechgefuehl, das mich ueberfaellt, wenn ich daran denke, wie viel Ordnung ich haben koennte; und zu wie wenig ich faehig bin.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Der lachende Hase

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Warum lacht ein Hase? Diese Frage stellte ich mir erst nach dem Traum. Ich wusste, es war ein blauer Porzellanhase mit roten oder lilanen sehr grossen Ohren gewesen. Vielleicht waren sie mir nur im Gegenlicht so erschienen. Ich hatte auch noch eine Ahnung von einem dichten roten Geaeder. Eigentlich wie in einem lanzettfoermigen Blatt. Seltsamerweise am Hasen auch saegezahnartig geraendert.

Jetzt glaube ich, dass es ein Spielzeughase gewesen sein muss, aus Blech. Weil er so vor sich hin huepfte und ein blechernes Gerausch von sich gab. Wie eine Uhr, die aufgezogen wurde. Und er huepfte so, dass er bei jedem Aufprall auf dem Boden nach vorn einknickte, sich dann aber erfing und – schon war er wieder in die Luft geschnellt.

Eigentlich kam er auf mich zu, und das Geraeusch wurde immer lauter; und er wurde immer groesser. Ein blauer Riesenhase, dem die Ohren so fein geaedert waren, als waere er ein Hasenplastinat aus dem Kabinett des Dr. Hagens, um mir zu demonstrieren, dass auch Hasen so eine ins Feinste gehende Blutversorgung haben wie Menschen.

Es war ein sprechender Hase. Er sprach vom Hass auf die Hasen. Du mit deinem Hasenhass! Du Hasenhasserin! Gerade mich musste er darauf ansprechen, mich mit meiner Hasenliebe!

Hasenhass! Meinte er vielleicht: Osterhasenhass? Porzellanhasenhass?

Die Wiederholung verschlechterte meinen Zustand. Das blockierte meine Denkfaehigkeit. Mir fielen keine Argumente ein. Haette ich sagen sollen: In Wirklichkeit bin ich eine vor Hasenliebe zerschmelzende Hasentante, die noch nie einen Hasen gegessen hat?

Gezwungenermassen hatte ich aber zusehen muessen, wie Hasen getoetet wurden - von meinem Grossvater. Wollte mein Traumhase mich an dessen Stelle für seine Taten mit dem Wort: Hasenhasserin! bestrafen?

Montag, 30. Juni 2008

Hase in Bernstein

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Einer der drei Gaeste vom 31. Mai ist Kuenstler. Er beschaeftigt sich auf der einen Linie mit toten Tieren, solchen, die ueberfahren wurden; auch solchen, die er irgendwo tot auffindet. Er bereitet ihnen eine wuerdiges Grab. Sie bleiben sichtbar, erhalten ihre Gestalt, wenn oft meist nur eine sehr oberflächliche, nur von vorne realistisch aussehend. Von der Seite sind sie oft sehr duenn, koerperlos, beinahe ein Blatt.

Der Prozess des Verfalls erscheint aufgehalten. Wer das betrachtet, denkt nicht nur an den Tod, sondern auch unwillkuerlich an Erneuerung und Metamorphose. Man denkt wohl sofort an Duerers Hasen von 1507. Und in dessen Folge an die holländische Maler von sog. Tierstuecken, zum Beispiel von Frans Snyders.

Von dem eingegossenen Hasen war ich sehr beruehrt. Ich mag Hasen, weil es Hasen im Haus meiner Eltern waehrend meiner Kindheit gab. Einige waren meine Spielgefaehrten. Es war mein Ehrgeiz, einen Hasen in mich zu gewoehnen, ihm die Scheu zu nehmen. Ich fand die Nuestern aufregend, das Fell, die Art, wie er frisst. Ich liess ihn auch oefter aus und musste ihn im Garten nachrennen oder gar suchen. Einmal verschwand einer und Mutter reagierte darauf keineswegs gelassen.

Ab und zu habe ich auch Hasentraeume, solche, in denen Hasen in den verschiedensten Rollen auftreten.

Freitag, 27. Juni 2008

Flirt-Profil 1

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Ich habe noch nie ein Flirt-Profil geschrieben. Noch nie kam ich auf die Idee, mich bei einem Single-Portal einzutragen. Erfolglos hab ich’s unlaengst versucht, angeregt von Bux, in der falschen Annahme, ich wuerde dort noch sein Profil finden. Unnoetig – hier ist es nachzulesen.

1. Motto

Wozu brauch ich ein Motto? – war der erste Gedanke. Steht mein Leben unter einem Motto? Hat sich im Lauf der Zeit ein solches ergeben? Kann ich mich in einem einzigen Satz zusammenfassen? Nein, es werden auf mehrere Saetze sein muessen, viele, etwa diese:

1.Outside is inside.
2.Art is life.
3.Life is art.
4.Lebe im Augenblick!
5.Vergiss nie dein Fernziel!
6.Konsumiere nur zweckgerichtet!
7.Gestalte mittels Phantasie!
8.Schoenheit ist ein Konstrukt - deines!
9.Sei immer praesent, sowohl real als auch als mediales Objekt!
10.Sprache formt die Welt!
11.Wissen ist Verfuehrung und Macht!
12.Dein Koerper sei sowohl Panzer als auch Gefaess!
13.Traenen erloesen, aber zaehl die Minuten!
14.Vertrau dem Spiegel, der Waage und - der Vernunft!
15.Nimm den kuerzesten Weg; aber unterschaetz keinesfalls nicht die Umwege!
16.Denken ist ein physischer Vorgang, kostet daher Kraft und Energie!
17.Zwischen Wasser und Bergmassiv laesst sich gut leben - auf halber Hoehe!
18.Nuetze die Fremdheit des eigenen Geschlechts zu beider Vorteil!
19.Geld ist kein Wert an sich, definiert aber jederzeit deinen Aktionsradius!
20.Jede Liste muss ein Ende haben!

Sollte ich jetzt jeden Punkt erlaeutern? Nein, das tu ich jetzt nicht. Vielleicht trifft einiges auch auf Sie zu; und wenn nicht - Sie werden mir schon Ihre Meinung sagen!

PS: Das chinesische Zeichen bedeutet: Zhi, Weisheit

Dienstag, 24. Juni 2008

Sonnenstich, Blut, Ausschlag?

W-2008-06-21-rueckenakt-gruen-rot-02

Dieser Rueckenakt ist etwas schwierig zu interpretieren, fuer mich jedenfalls: war es Alex oder Alfons? Kam ein Schein von woanders hinzu, von unten her, weshalb ja dort auch weisse Flecken zu sehen sind? Warum fixiert dieses Steisstattoo so den Blick? Es ist doch so: ich glaubte zuerst, von dort wuerde sich etwas erheben, ein Voegelchen, das gerade die Fluegelchen ausbreitet. Oder ist ein um den Hinterleib verkuerztes Insekt?

Edith findet diesen leicht nach vorne gebeugten Kopf erotisch. Sie findet den Nacken sehr erotisch. Sie findet auch die breiten Schultern erotisch. Sie vermutet, dass er in Wirklichkeit keineswegs so fleckig bzw. schorfig ist.

Dein Ruecken ist schoen rund, sagt sie, beug dich ein wenig nach vorn. Sie schiebt das Haar nach oben, legt den Nacken frei. Sie sagt, ich sollte mir das Haar mehr hinaufstecken, damit sie meinen Nacken in Ruhe betrachten kann. Ich spuere ihren Blick, das erzeugt Gaensehaut. Aber vielleicht ist es nur die uebliche Reaktion, die meine Temperatursensibilitaet hervorgerufen hat. Es ist mir schnell danach, mir etwas anzuziehen.

Edith findet meine Oberarme muskuloeser als die auf dem Bild. Sie sieht, dass die beiden dort verschieden lang sind. Sie glaubt deshalb nicht, dass es sich um ein Foto handelt.

Edith meint, dass ich kein Tattoo brauche. Sie sagt: Mit Tattoo wuerde dein Steiss banal aussehen, verwechselbar. Das Tattoo wuerde die feinen Haerchen sozusagen ausstechen. Sie sagt, sie mag Frauen, die ueberall fein behaart sind. Ich sage: Ich denke schon, dass an mir auch Stellen gibt, die nicht behaart sind. Sie sagt: Wenn du dich nicht so oft enthaaren wuerdest, wuerdest du natuerlicher aussehen. Ich sage: Ich enthaare mich doch nicht, ich entferne die Haare nur an den kritischen Stellen. Sie sagt: Fuer mich gibt es keine solchen Stellen, mir ist viel lieber die Natur, und die erzeugt eben Haare.

Edith hat mich davon abgelenkt, dass ich urspruenglich dachte, diese Frau auf dem Bild habe sich zu lange der Sonne ausgesetzt, und die Folge sei ein Sonnenstich. Andere Interpretation: das sei Blut auf dem Ruecken, von ihr selbst oder jemand anderem. Die dritte: eine allergische Reaktion, zum Beispiel auf Waschmittelreste in ihrer Bluse. (Daran, dass sie jemand heftig geschlagen haben koennte, wage ich gar nicht zu denken!)

Sonntag, 22. Juni 2008

Das ideale Fussballfeld

W-2008-06-14-lausanne-pimp-my-baby-4-a

Waehrend der EM ist ein Projekt zu sehen, das sich Pimp my baby nennt. Dabei handelt es sich um 22 Tischfussballspiele, die von Kuenstlerinnen und Kuenstlern ihren Vorstellungen entsprechend realisiert wurden. 22 – Sie wissen schon warum! In Lausanne und Umgebug (von Ecublens bis Pully, von Ouchy bis La Sallaz) – der Grund ist klar: realer Euro-Fussball nur in Lancy (bei Genf), Basel, Bern und Zuerich!

Warum habe ich gerade dieses Werk ausgewaehlt? Es genuegen ein Feld, ein Ball (das weisse Fleckchen da oben) und ein Tor. Es genuegt eine Stange, als Moeglichkeit, dass sich daran ein Spielmaennchen festmacht.

Was fehlt Ihnen noch? Achja, die Hand, die in der Lage ist, die Stange zu drehen. Wird es die geben? Ich nehme an, es faellt Ihnen nicht schwer, sich Ihre Hand als eine sich drehende vorzustellen. Damit dreht sich auch ein von Ihnen befestigtes Maennchen, und damit haben Sie jederzeit die Moeglichkeit haben, den Ball in gegenueberliegende Tor zu befoerdern.

Und stellen Sie sich vor, es gibt dort noch eine weitere Hand, von mir aus eine weibliche. Die tut nichts anderes, als Ihnen immer wieder das Baellchen herauszuholen und vor Ihr Maennchen hinzusetzen. Und Sie brauchen nichts anderes zu tun, als dieses mit scharfem Schwung so zu drehen, damit das Baellchen wieder im Tor landet. Wie lange halten Sie das durch: eine Minute, zwei Minuten, fuenf?

Bald genuegt es Ihnen nicht mehr, die Besitzerin der Hand nur zu betrachten; ihr Komplimente zu machen, wegen des T-Shirts mit der Aufschrift Pimp my Bride, wegen der Lee Desoto-Jeans, wegen der Doc Martens, wegen ihrer originellen Kurzhaarfrisur oder wegen ihres reizvollen franzoesischen Akzents.

Wonach sehnen Sie sich noch? Nach einer ordnungsgemaessen Aufstellung, also nach 11 roten und 11 blauen Maennchen an entsprechend angebrachten Stangen mit den passenden Griffen. So wuerden Sie die Ballfrau zur erwuenschten Gegnerin machen, Herrin ueber 11 – zum Beispiel – blaue Maennchen, um sich mit ihr zu messen. Trauen Sie sich einen Sieg auf allen Linien zu?

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